B174 begibt sich an einem Maimorgen in den kleinen Wald
Von Alejandro Rigatuso, Fundador y Director de Fundación Loros·Geprüft von Alejandro Rigatuso
Um 8:19 Uhr am Morgen des 5. Mai öffnete Omar die Tür der Voliere #3, und der B174 verharrte einen Moment lang auf der Schwelle. Es war ein Gelbscheitelpapagei — Amazona ochrocephala — dessen grünes Gefieder im Morgenlicht zu leuchten schien, mit der kräftig gezeichneten gelben Krone und jenen roten Tupfern an den Flügeln, die der Art stets etwas Festliches verleihen. Am Hals trug er noch das grüne Etikett: FL-VN, B174 — der bürokratische Name eines Tieres, das ihn längst nicht mehr brauchte.
Der bosquesito der Fundación Loros wartete nur wenige Schritte entfernt auf ihn. Wie dieser erste Flug verlief, ist nicht überliefert — das Feldteam konnte den Moment nicht mehr in Worte fassen, bevor er in Stille und Blattwerk verschwand — doch es blieben fünf Fotografien und zwei Videos aus den Minuten davor: der Papagei, der aus dem Gehege herausspähte, den Schnabel geöffnet, als würde er die Luft vermessen, die Augen auf etwas gerichtet, das nur er allein berechnen konnte. Omar hielt alles mit großer Sorgfalt fest, so wie man es mit Dingen tut, die sich nie ganz wiederholen.
Über den Autor
Alejandro Rigatuso · Fundador y Director de Fundación Loros
Alejandro Rigatuso kam zur Fundación Loros nach Jahren als Vizepräsident für Growth Marketing bei Toptal und brachte einen unkonventionellen Blick mit: Er erkennt am Zustand eines Tieres an den Augen, „hell und weit geöffnet". Lorenzo, der erste freigelassene Papagei, mehrmals wieder eingefangen und immer wieder in die Freiheit entlassen, hat ihn für immer geprägt. Bei Sonnenuntergang, gegen halb sechs, findet man ihn am Mirador de las Ciénagas oder am Cerro El Peligro, wo er sich Beobachtungstürme vorstellt und Hunderte einheimischer Papageien, die über ein Schutzgebiet fliegen, das eine ganze Gemeinschaft als ihr Eigenes empfindet.