Nilson wanderte an jenem Dienstag allein, als der Wald ihm eine doppelte Überraschung bereitete: Der roble und der polvillo hatten beschlossen, gemeinsam zu blühen. Von den Koordinaten aus, an denen er innehielt, nahe Cartagena, roch die Landschaft nach offenem Feld, und überallhin war sie mit Gelb betupft — die fünfblättrigen Blüten des polvillo, mit ihren ockerfarbenen Mitten, bedeckten den Boden zwischen dem Niedriggewächs, als hätte sie jemand mit Absicht dort gesät.
Der Wald war nicht still. Irgendwo in einem unsichtbaren Baum arbeitete ein Specht, der chau chau kündigte sich aus der Ferne an, und dazwischen schob sich das leise Pfeifen eines kleinen Vogels, den Nilson zwar hörte, aber nicht zu Gesicht bekam. Einen Augenblick lang kreuzte ein roter Schmetterling mit weißen Linien seinen Weg — und zog weiter, wohin auch immer.
Es war Mittag, Nilson war allein, und der Wald barg mehr Leben, als man an einem Märznachmittag erwarten würde.
Über den Autor
Nilson
Nilson beginnt jeden Morgen im Stall, beim Melken, während das erste Licht den Cerro El Peligro streift – seine liebste Ecke auf der Finca. Er liest die Tiere mit einer Präzision, die nichts durchgehen lässt: ein stumpfes Fell, gerötete Augen oder ein Hinken beim Aufstehen – all das entgeht ihm nicht. Er erinnert sich genau an eine Kuh, die vor Schwäche auf die Beine fiel, und an eine andere mit einer Wunde, die einfach nicht heilen wollte. Das Schwerste, sagt er, ist, wenn ein Tier krank wird und die Diagnose auf sich warten lässt. Sein Bild von der Zukunft ist schlicht und klar: ein Schwarm Papageien, der frei über das Land zieht, und die Nachbarn, die den Blick nach oben richten.