
Frankie fliegt frei
Von Vianny Feo Peluffo · Kolumbien, Barranquilla · Gelbscheitelamazone (Amazona ochrocephala)
Analysen und Reflexionen der Fundación Loros
Frankie kam als Geburtstagsgeschenk für meinen zweiten Sohn zu uns nach Hause. Niemandem in der Familie war bewusst, dass es — so fürsorglich man ein Wildtier auch hält — kein wirklicher Ausdruck der Liebe ist, die es verdient. Obwohl Frankie nicht im Käfig lebte und mit großer Sorgfalt gepflegt wurde, horchte er stets auf, wenn er Papageien in der Nähe des Hauses fliegen hörte. Erstaunlicherweise flog er selbst nie davon, obwohl wir ihm nie die Flügel stutzen ließen.
Wenige Jahre vor der Pandemie adoptierten meine Tochter und ich fast gleichzeitig zwei Hündchen. Eines davon, Ginebra, eine ausgezeichnete Jägerin, zwang uns, Frankie die meiste Zeit in seinem Käfig einzusperren. Eines Tages kam Daniel, ein auf Wildtiere spezialisierter Tierarzt, und überzeugte mich, Frankie die Freiheit zurückzugeben. Ich machte mir Sorgen, dass Frankie, als Haustier aufgewachsen, vor Trauer sterben könnte — es war seine Gewohnheit, nicht zu fressen, wenn ich längere Zeit außer Haus war. Dennoch bereue ich es nicht, den Gedanken aufgegeben zu haben, dass Frankie bei uns glücklich war.
Ich gab ihm stets meine Liebe und Fürsorge: Er ließ sich tragen, streicheln und schlief sogar auf meinem Schoß. Er lernte, meiner Tochter Sara zu rufen, und seine ersten Worte waren Schimpfwörter und Lachsalven, die Besucher in Erstaunen versetzten. Männern gegenüber hegte er nie Vertrauen, wohl aber meiner Tochter und mir. Dank der Verbindung zur Fundación Loros konnte ich ihn wieder in Freiheit sehen. Bis heute kommen mir die Tränen, wenn ich diese Vögel fliegen sehe. Als ich schließlich ein Foto von Frankie in Freiheit sah — wie er sich neben seiner Partnerin putzte —, wusste ich, dass ich das Richtige getan hatte.
Heute bin ich als Lehrerin kleiner Kinder eine Fürsprecherin für die Freiheit wildlebender Arten. In meinen Unterrichtsstunden wiederhole ich, dass diese Vögel keine Haustiere sind und dass Kinder ihre Familien sensibilisieren können. Ich hege die Hoffnung, dass immer mehr Menschen lernen, unsere Tierwelt zu schützen. Seit jenem Tag hänge ich Frankies leeren Käfig auf meiner Terrasse auf, für alle sichtbar, mit diesem Satz, den ich so sehr liebe:
„Das ist kein leerer Käfig; das ist ein Vogel in Freiheit."
Zweifellos hat Frankie mir gelehrt, dass wahre Liebe Freiheit ist.
