Als die Sonne gerade erst das Dach des Hühnerhofs streifte, war Lorena bereits drinnen mit der ersten Runde des Tages. Die Hühner erwarteten sie ungeduldig: braune, weiße, schwarze und einige gesprenkelte, die die ersten Strahlen aufzufangen schienen, als gehörten sie ihnen allein. Die Futtertröge wurden gefüllt, und alle stürzten sich mit jenem glücklichen Durcheinander auf das Picken, das Geflügel an Morgen eigen ist. Dahinter, still und ernst, wachte der Hahn, ohne selbst zu fressen.
Um fünf Uhr nachmittags, bevor die Hitze ganz nachließ, kam die zweite Runde. Lorena bereitete die Ration vor und spähte ins Nest, bevor sie servierte: sieben Eier in Beige- und Hellbrauntönen, gebettet auf trockenem Stroh in einer Holzkiste im rustikalen Hühnerstall. Die Glucke war nicht da, doch das Nest wirkte unberührt, behütet. Laut dem Tagesprotokoll werden diese Eier in etwa zwanzig Tagen etwas zu sagen haben. Vorerst schlafen sie ruhig, während draußen die Hühner den Tag an den Futtertrögen ausklingen lassen — genauso lebhaft wie am Morgen.
Über den Autor
Nilson
Nilson beginnt jeden Morgen im Stall, beim Melken, während das erste Licht den Cerro El Peligro streift – seine liebste Ecke auf der Finca. Er liest die Tiere mit einer Präzision, die nichts durchgehen lässt: ein stumpfes Fell, gerötete Augen oder ein Hinken beim Aufstehen – all das entgeht ihm nicht. Er erinnert sich genau an eine Kuh, die vor Schwäche auf die Beine fiel, und an eine andere mit einer Wunde, die einfach nicht heilen wollte. Das Schwerste, sagt er, ist, wenn ein Tier krank wird und die Diagnose auf sich warten lässt. Sein Bild von der Zukunft ist schlicht und klar: ein Schwarm Papageien, der frei über das Land zieht, und die Nachbarn, die den Blick nach oben richten.