
Der Himmel von Cotorrín
Von Sole · Kolumbien, Mosquera · Gelbscheitelamazone (Amazona ochrocephala)
Analysen und Reflexionen der Fundación Loros
Cotorríns Geschichte erinnert uns daran, dass in einem System mit begrenzten Ressourcen die Entscheidung zur Euthanasie eines schwer erkrankten Tieres pragmatisch wirken kann: Zeit und Medikamente werden denen gewidmet, die bessere Überlebenschancen haben. Soles Mitgefühl durchbrach diese kalte Kalkulation. Statt Cotorrín aufzugeben, nahm sie die Last auf sich, einen Tierarzt zu finden, der bereit war, ihn zu retten — im Wissen, wie schwierig das sein würde.
Ihre Geste machte deutlich, dass jedes Leben es wert ist, auch wenn die Chancen dagegen stehen. Indem sie ihn zum Arzt brachte und ihn durch jeden Krampfanfall begleitete, bewies Sole, dass Empathie nicht immer der utilitaristischen Logik derer folgt, die den Zugang zur Versorgung regeln. Es ging nicht nur darum, das Leben des echten Papageis zu verlängern, sondern darum, seine Würde als verletzliches und vertrauensvolles Wesen zu achten.
Cotorrín kämpfte dank dieser bedingungslosen Liebe noch sechs weitere Jahre. Seine Geschichte lehrt uns, dass Solidarität den Unterschied ausmachen kann — zwischen einem schnellen, unpersönlichen Ende und einem letzten Atemzug voller Fürsorge und Zärtlichkeit, auch wenn manche Leben mehr Aufwand und Ressourcen erfordern. Sole entschied sich, ihm ihre Zeit und ihre Hoffnung zu schenken. Sie erinnert uns daran, dass wahres Mitgefühl manchmal bedeutet, ein Leben zu tragen, das die Welt bereits aufgegeben hat.
