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Eine Liebe, die bleibt

Eine Liebe, die bleibt

Von Rosa Pava · Kolumbien, · Roststirnamazone (*Amazona amazonica*)

Mein Leben war sehr grau; man gab mir immer eine Kartoffel und Wasser. Wenn ich ihnen etwas mitteilen wollte, sagten sie: „Wie schön!" Aber ich schrie danach, dort herauszukommen. Meine Tage vergingen in Gleichgültigkeit und Eintönigkeit; ich hatte nur meine Federn zum Spielen — deshalb rupfte ich sie mir eine nach der anderen aus, bis keine mehr übrig war.

Eines Tages kam eine Frau. Sie sah mich und fragte: „Wie heißt sie?" Sie antworteten: „Niña." Die Frau schaute mich auf eine so besondere Art an, dass ich eine tiefe Verbindung spürte … An jenem Tag änderte sich alles.

Man trug mich in einer Kiste fort; ich wusste nicht wohin, spürte aber die frische Luft, die durch ein paar Löcher hereinsickerte. Unterwegs gelangte ich an einen Ort, wo etwas wie ein Baum stand. Dort nahm die Frau mich heraus und setzte mich auf die Äste. Obwohl ich mich seltsam fühlte — endlich fühlte ich mich frei!

An jenem Tag probierte ich etwas Köstliches, das ich noch nie gekostet hatte: eine Erdbeere, dann eine Banane und eine Papaya. Diese Frau hatte zwei Töchter; eine von ihnen kam auf mich zu, sagte, ich sähe aus wie ein kleines Knäuel, und taufte mich PEPA. Schnell gewöhnte ich mich an diese Familie; sie liebten mich so sehr, dass mein Gefieder wieder ergrünte und ich ein wenig zunahm, denn sie gaben mir sehr gutes Futter und verwöhnten mich stets. Ich liebe Musik, vor allem Rancheras — wie verrückt, oder?! —

Nach jenen grauen, eintönigen Tagen füllten sich meine Stunden mit Farbe und Freude. Ich lernte viele Dinge; unter anderem zu bellen, denn im Haus lebte eine kleine Hündin namens Muñeca. Mein Zeitvertreib war nicht mehr das Ausrupfen meiner Federn, sondern das Spielen mit Flaschenverschlüssen und vielen Bällen. Jeden Abend kam eine der Töchter der Frau von der Arbeit nach Hause und verabschiedete sich von mir, bevor sie schlafen ging; ich wartete immer auf sie.

So vergingen fast zehn Jahre, bis ich mich eines Tages krank fühlte: Ich konnte auf einem Auge nicht mehr sehen, es schmerzte sehr, ich bekam Fieber und es ging mir sehr schlecht. Man brachte mich eilig zur Tierärztin; dort untersuchte man mich und sagte, mein Zustand sei ernst — das Beste sei nun, abzuwarten. Zurück zu Hause gaben mir meine Mama und meine Schwestern, wie ich sie inzwischen nannte, Futter und Wasser, aber ich wollte nichts; ich merkte, wie besorgt sie waren, und konnte in ihren Augen Traurigkeit sehen. Ich machte einen letzten Versuch und trank ein wenig Wasser, aber es half mir nicht mehr wirklich.

Die Nacht zog sich hin, und ich wurde immer schwächer, bis ich mit meinem letzten Atemzug sie sagen hörte: „Stirb nicht!" — und aufhörte zu atmen. Ich ging in jener Nacht des 3. Februar; ich sah sie weinen über meinem Körper, der in den Händen einer meiner Schwestern lag. Sie konnten nicht fassen, dass dieser kleine Vogel ihnen eine so besondere Liebe geschenkt hatte, nur um ihnen dann mit seinem Abschied das Herz zu brechen.

Ein paar Minuten später hörte ich ihre Klagen nicht mehr; ich befand mich an einem sehr dunklen Ort, spürte Frieden und keinen Schmerz mehr. Ich verstand, dass meine Freiheit bei ihnen gewesen war: Diese Frauen hatten mir ein Leben voller Freude und fern jeder Enge geschenkt. Das war für mich Freiheit.

Vor einiger Zeit bekam ich die Gelegenheit, auf die Erde zurückzukehren. Ich war gewiss, jene Frauen wiederzufinden, die mich so sehr geliebt hatten — und raten Sie mal: Ich kam im Haus einer meiner Schwestern an. Sie erkannte mich natürlich nicht; es waren viele Jahre vergangen, doch ich hatte nie das Gefühl, dass sie mich vergessen hatten.

Meine Schwester — ihr Name ist übrigens Rosa — nahm mich mit viel Liebe in ihrem Zuhause auf. Ich fand keinen Weg, ihr zu sagen, dass ich es war, Pepa; also begann ich Dinge zu tun, die ich früher getan hatte: auf ihrer Brust schlafen, mit Bällen spielen und ihr immer hinterher laufen. Eines Tages erkannte sie mich und sagte: „Du bist zurückgekommen!"

In diesem Leben heiße ich Pelusa; ich bin eine Katze, aber ich werde immer Pepa sein: jene außergewöhnliche Liebe, die es vermochte, zu überdauern und dorthin zurückzukehren, wo sie ganz und gar frei war.

Analysen und Reflexionen der Fundación Loros

Die Geschichte zeigt, wie Federrupfen — das Ausreißen der eigenen Federn — fast immer ein Zeichen tiefen Unwohlseins ist: Stress, Langeweile, Einsamkeit oder mangelhafte Ernährung. In einem gut konzipierten Rehabilitationsprogramm lässt sich das Federrupfen in der Regel beheben durch:

Optimale Ernährung: hochwertige Samen, Gemüse, Obst und Vitaminpräparate, um alle Bedürfnisse zu decken.

Ausreichend Raum: geräumige Käfige oder, noch besser, halboffene Gehege, die Fliegen und Bewegen ermöglichen.

Umweltanreicherung: Sitzstangen verschiedener Durchmesser, natürliche Äste und sensorische Reize, die ihre Neugier wecken.

Artgenossen: Der soziale Austausch mit anderen Papageien ist entscheidend, um natürliche Verhaltensweisen wiederherzustellen und Angstzustände zu lindern.

In anderen Fällen erfordert das Federrupfen klinische Unterstützung.

Nur eine professionelle Rettung — mit tierärztlicher Begleitung und einem umfassenden Rehabilitationsplan — gibt diesen Tieren ihre Gesundheit zurück und bereitet sie auf ein möglichst freies Leben vor. So lassen wir das Federrupfen hinter uns und geben diesen Vögeln die Möglichkeit, ihre Flügel wirklich auszubreiten.